Mittwoch, 29. April 2015

Buch vs. Film: Herr der Diebe


Endlich, endlich habe ich es geschafft, HERR DER DIEBE von Cornelia Funke zu lesen! Dieses Buch wollte ich schon lange besitzen und was passierte, als ich es dann letztes Jahr erworben habe? Richtig, ihr ahnt es schon: Es lag fast ein ganzes Jahr (!) auf meinem SuB herum. Jetzt habe ich es gelesen - und mir gleich danach den Film angesehen, sodass ich euch hiermit einen neuen BUCH VS. FILM Post tippen kann. Ob es das Beste war, direkt nach Zuklappen des Buches die DVD in den Player zu schmeißen darf gerne strittig sein, ich habe mich dafür entschieden, weil so die Eindrücke für den Vergleich noch schön frisch waren. Also, lange Rede, kurzer Sinn, es gibt ein BUCH VS. FILM Pöstlein von mir und here we go. P.D.: Dieser POst ist keine detaillierte Analyse des Films, ich habe mich auf die Punkte konzentriert, die mir so ins Auge gestoßen sind, dass ich sie erwähnenswert finde.

Der Film startet vor den Ereignissen, in die wir im Buch hineingeschleudert werden und zeigt uns die Flucht Prospers und Bos nach Venedig, die uns im Buch lediglich erzählt wird. Generell sind die Ereignisse im Film durcheinander, beziehungsweise miteinander vermischt, zum Beispiel die Verhandlung mit Barbarossa über den Preis des zu verkaufenden Diebesgutes. Im Film ist die erfolgreiche Verhandlung Prospers die Bedingung, damit er und Bo bei der kleinen Bande bleiben dürfen, im Buch sind sie bereits seit längerem fester Bestandteil der Truppe ehe es zu dieser Szene kommt.
Abgeändert ist auch die Szene, in der Wespe und Bo im Kino aufgegriffen werden, denn im Buch war es eine alte Dame und nicht Barbarossa, der das Versteck der Kinder verriet und auch Scipio kommt auf seine Idee, bei Victor in die Lehre zu gehen, viel früher als im Buch.
Hinzugedichtet ist die Szene mit den Hartliebs in Ida Spaventos Haus, zu der ich im nächsten Abschnitt noch ein paar Worte verlieren werde.

Einige Szenen stechen im Film heraus und es sind diese Szenen, auf die ich jetzt kurz zu sprechen kommen möchte.
Die Beichtstuhlszene war deshalb herausstechend, weil sie sehr nahe am Buch ist und die Dialoge identisch oder zumindest sehr, sehr nahe am Buch gehalten wurden, ich habe jetzt nicht jedes Wort nachgelesen, ob es wirklich so im Buch stand. Die Karussellfahrt war einfach von der Darstellung und den Effekten sehr schön anzusehen und die Szene, in der die Kinder Victor gefangen nehmen hatte einen sehr unterhaltsamen Wert, ebenso wie die Rauferei mit den Hartliebs, als diese unangemeldet bei Ida auftauchen. Diese Szene ist so im Buch jedoch gar nicht vorgekommen und ihre Hinzudichtung wäre meiner Meinung nach auch nicht nötig gewesen, ich fand sie um ehrlich zu sein schwachsinnig, sie hat höchstens den Eindruck, dass der Onkel von Prosper und Bo nicht mehr alle Tassen im Schrank hat, unterstützt. Hallo? Vollkommen übertrieben mit einer Flinte auf KINDER zu zielen! Wer hat sich bitte diese dumme Idee für den Film einfallen lassen? 

Die schauspielerische Leistung der Darsteller fand ich, ohne dass ich eine Ausbildung hätte, die mir eine professionelle Wertung ermöglicht, wirklich gut. Esthers Kaltherzigkeit ist gut getroffen, die Gleichgültigkeit den Schicksalen der Kinder gegenüber, die ihr Ehemann empfindet, ebenso, jedoch wird dieser als einfältiger, um nicht zu sagen dümmlicher dargestellt als in der Romanvorlage.
Weniger gefallen hat mir der Barbarossa-Darsteller. Nicht etwa, weil er seine Sache nicht gut gemacht hat, sondern wegen seines Bartes. Der war grau und nicht rot. Das mag vielleicht kleinlich von mir erscheinen, aber in der heutigen Zeit gibt es genug Mittel und Wege, das Erscheinungsbild eines Schauspielers an die Buchfigur anzupassen und in diesem Fall hätte man seinen Bart ruhig rot färben oder tönen können. Wirklich geärgert hat mich daran nämlich, dass der Rotbart nun einen anderen Spitznamen erhielt und mir hat die Charakteristik des Buchspitznamens besser gefallen, als ihn einfach zu beleidigen oder ihn geizig zu nennen.
Der Charakter der Wespe hat bei mir auch geringes Stirnrunzeln verursacht. Im Film trägt sie nur ausgesprochen selten den Zopf, der ihr diesen charakteristischen Spitznamen eingebracht hat und das ist doch nun wirklich etwas, auf das man hätte achten und ohne Weiteres umsetzen können. Ihr Charakter ist zudem konträr zur Buchvorlage, denn sie ist in der Verfilmung wesentlich mutiger, draufgängerischer, kommt hier die Idee, den Diebstahl ohne Scipio über die Bühne zu bringen doch von ihr und nicht von Riccio und Mosca. Somit ist sie weniger der der vernünftige Muttercharakter der dem Leser im Buch begegnet.
Kommen wir zu Victor Getz, einem Detektiv, der seine Sache im Buch vielleicht nicht immer perfekt macht, jedoch im Film als wesentlich weniger raffiniert und professionell dargestellt wird, wodurch er in gewissen Szenen leider wie eine nicht ernst zu nehmende Witzfigur erscheint. Darüber hinaus kennen er und Ida sich bereits, was nicht zwingend negativ ist, jedoch die Spannung auf die Signora Spavento, das Opfer des geplanten Raubzugs, erheblich mindert.
Der kleine, süße Bo hingegen wurde perfekt getroffen, er sieht wirklich wie ein niedlicher kleiner Engel aus, der es allerdings auch faustdick hinter den Ohren hat. Die Szene mit dem Eis ist im wahrsten Sinne des Wortes köstlich. :D

Was wirklich schade ist, ist, dass viele wunderschöne und absolut korrekte Aussagen, die Cornelia Funke im Buch über Kinder, Erwachsene, Kindheit und Erwachsenwerden und dem Umgang von Erwachsenen mit Kindern macht, beziehungsweise ihre Charaktere aussprechen lässt, keinen Eingang in den Film gefunden haben. Beim Lesen des Buches fühlt man sich an seine eigene Kindheit und den Wunsch, endlich erwachsen zu werden, erinnert und daran, wie einen Erwachsene in dem Alter wahrgenommen haben und vielleicht auch, wie man in einem gewissen Alter selber mit kleinen Kindern umgegangen ist oder was man über die jüngeren Mitmenschen gedacht hat. Das hat in gewisser Hinsicht auch einen lehrreichen Effekt, der im Film bedauerlicherweise verloren geht. Somit dient der Film einzig und allein der Unterhaltung und thematisiert kaum die Themenfelder Kindheit und Erwachsen werden. Der Film als solcher ist ein toller Film, denn er ist spannend, lustig-unterhaltsam, hat gute Schauspieler, Szenen wie die Karussellfahrt sind effektvoll in Szene gesetzt, aber der Film gibt für mich nur eine mangelhafte Buchverfilmung ab, da viele Ereignisse zusammengewürfelt und teilweise zu sehr verändert und hinzugefügt worden. Dass Dialoge teilweise identisch oder sehr nah am Buch sind ist wiederum positiv, aber die Schauspieler hätten ihrer Figurvorlage optisch und teilweise im Charakter noch stärker angepasst werden können.

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